Schöner Segeltag und doch Stress

von Gundolf Oertwig am 19.10.2022 / in Törns

Am späten Vormittag verlasse ich Sassnitz bei herbstlichen Kaiserwetter. Sogar etwas warm und leichter Wind. Der – öhm – kommt doch glatt wieder voll 180 Grad achtern. Da könnte ich doch den Spi hochziehen? Also ran an die Bouletten! Der Schlauch ist hochgezogen, die Schoten belegt, stehe ich plötzlich am Bug auf einem Rodeopferd! Große Wellen und garstige Böen zeigen sich hinter der Landabdeckung. Manöver abgebrochen, nicht, ohne schusselig auf dem hüpfenden Bug auch noch den Bergeschlauch mitsamt Spi mal eben ins Wasser zu werfen. Das nasse Ding reingeholt, das Bett ist nun auch noch nass.

Zurück auf meinem Sitz, merke ich etwas Anspannung. Es folge eine Stunde gleichmäßige Schaukelei, fast schon begann ich mich zu langweilen. Fühl – ist der Wind inzwischen nicht beständiger und ruhiger geworden? Und überhaupt, hier nur mit 2 bis 3 Knoten vorm Wind zu geigen, das ist doch eh zu langsam. Wenn ich jetzt den Spi setze, denke ich mir, wird er wieder trocken und es geht flotter vorwärts.

Sanduhr!! Eingeweihte wissen jetzt was los ist. So ein Mist! Auf meinem hüpfenden Schaukelpferd hat sich der Spinnaker von der peitschenden Mastspitze, an der er ja fest ist, so toll hin und her geschleudert, dass nun das Tuch in der Mitte verdreht ist und zusätzlich um das Vorstag gewickelt. Stöhn. Das Aufdröseln war Schwerarbeit, weil ständig auch noch Gefahr über Bord zu gehen. Natürlich war ich angeleint aber besser oben bleiben.

Endlich macht das Segel mit einem lauten Knall auf und es steht. Wieder am Ruder fühle ich mich komplett überdreht, Adrenalin pur. Zwei Stunden segelte ich erst einmal weiter, bis dann der Wind wieder nachließ und das Tuch nur noch vom schwingenden Mast rumgeschleudert wurde. Erst klemmte der sch… Bergeschlauch, dann ging es doch noch. Runter das Teil und verstaut. Schnell eine Blutdruckpille genommen, bin fertig. Komisch, diese Anspannung wollte gar nicht mehr abklingen und selbst jetzt, abends vor Anker, als ich das schreibe, ist noch ein wenig zu spüren.

Also klar, Fotos von der Geschichte habe ich nicht hinbekommen. Nur vorher und nachher.

Frühstück in Sassnitz
Ankern bei Thiessow

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