ich war faul und kann auch nicht mehr segeln

von Gundolf Oertwig am 26.06.2022 / in Ostsee 2022

Drei Tage lang hatte ich nun Schreibpause. Als wenn’s gar nichts zum Aufschreiben für mein Logbuch gegeben hätte. Der Blog ist gleichzeitig so eine Art Logbuch für mich. In klassischer Papierform klappt mir das nicht. Ich habe kein Durchhaltevermögen beim Schreiben mit Stift auf Papier. Erstaunlicher Weise klappt es mit der Tippen auf dem Handy besser. Warum? Keine Ahnung.

Blick vom Dornbusch nach Westen

Also was war nun? Zuerst einmal eine riesen große Freude, lag ich mit Dulcibella doch, wie schon in den letzen beiden Jahren, neben der La Vie von Lorina & Werner aus Berlin. So ein schönes Wiedersehen! Die beiden sind gerne und immer wieder hier in Kloster auf Hiddensee. Es ist ihrer, wie mein Lieblingshafen geworden. Nun sind sie ebenfalls, wie ich, im Ruhestand und können sich somit die Zeit auf dem Wasser noch besser gönnen.

La Vie rechts neben Dulcibella in Kloster/Hiddensee

Beide kochen gerne und haben mich gleich zweimal zum Abendessen eingeladen, köstlich! So wird’s schnell Mitternacht, mit Wein und Geschichten. Merci ihr Lieben!

Der Rest der Tage auf Hiddensee folgte nur von mir ausgetretenen Wegen: morgens baden, nach dem Frühstück Wandern am Steilufer des Dornbusch, anschließend zum Strand, dazwischen mal einen Kaffee oder Tee trinken und immer wieder ein Buch lesen. Gerade die Wiederholung dieser wenigen und einfachen Abläufe bringt mir eine tiefe Entspannung.

Gegenverkehr
Kap Arkona

Wo soll es nun hingehen? Links nach Dänemark oder rechts um Rügen. Links gab’s bald Gewitter, also rechts lang.

misslungenes Aufkreuzen

„Ich kann nicht mehr segeln“! Ja verflixt nochmal, was ist nun los? Ich kreuze gegenan und fahre rückwärts! Es regte sich zwar nur ein laues Lüftchen und ich kam nur mit 1,5 bis 2 Knoten voran. Das störte mich nicht, hatte ich doch genug Zeit. Zuerst spürte ich eine überaus starke Leegierigkeit. Bei jeder Wende lag der neue Kurs statt nach vorne, weiter hinter dem alten Kurs. Ich segelte also rückwärts! Vor lauter Ärger habe ich die Segel geborgen und bin mit Motorhilfe weitergefahren. Da löste sich das Rätsel auf! Nach Logge schaffte mein Boot knappe 6 Knoten Fahrt durchs Wasser und über Grund nur etwas über 3. Also hatte hier um das Huck das Wetter eine spürbare Gegenströmung geschaffen! Daran denkt man in der Ostsee selten. Nun war es klar, stärkerer Gegenstrom, als die eigene Geschwindigkeit, bedeutet Rückwärtsfahrt!

Strömungskarte vom BSH
Vor Anker am Strand vor Glowe, Tromper Wiek

Am Strand vor Glowe hatte ich letztes Jahr schon einmal geankert. Damals mit meinem Bruder Diethelm an Bord, hatten wir Jan kennengelernt. Wer dem Link folgt, kann es nochmals nachlesen. Damals hat er uns auf einem SUP-Bord besucht und morgens drauf sogar noch Brötchen gebracht!

Glowe hat also nicht nur einen Hafenmeister, sondern darüber hinaus mit Jan quasi einen prima Ankermeister! Jan, nach Selbstverständnis ein Eingeborener, freut sich sehr, wenn Boote, statt in die nahe Marina zu gehen, auch mal zum Ankern vor den schönen Strand von Glowe gehen. Der Grund hält hier gut und es sieht vom Ufer aus gesehen auch einfach romantisch aus, so ein ankerndes Segelschiff.

Also habe ich ihn per Mail gegrüßt und ruck zuck, war er stehend zum Boot gepaddelt und wir haben an Bord Tee getrunken und uns prima verstanden. Morgen früh bringt er mir wieder Brötchen, garantiert. Ein Pfundskerl, Dankeschön!

Live-Webcam von Glove

Webcam Glowe, Sonntag 26.06.2022 08:19

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