Rückblick auf die Etappe Azoren nach Grönland.

von Gundolf Oertwig am 22.07.2021 / in Freydis 2021

Im letzen Beitrag hatte ich ja schon kurze Hinweise auf eine holprige Anfahrt gegeben.

Mittwoch, den 30. Juni 21 verließen wir eilig und ungeplant einen Tag früher als geplant Horta/Faijal. Die Wetterberatung aus Kiel riet uns zum sofortigen Ablegen, da uns ansonsten Sturm und Wellen für viele Tage einweht. Also raus! West 6 – 7 Bft und „schön“ wellig und mit 2 Reffs. „Bum-Krach“ Einsegeln einer Crew, die gleich darauf grün wie Aliens im Gesicht übers Deck stolperte.

Skipper: Erich
Crew: Frauke, Renate, Marcus, Martin, Siegfried, Heiko und ich.

 

Wachen sind eingeteilt: 

8 bis 12 (und 20 – 24) machen Erich, Renate und Martin
12 bis 16 (und 00-04) Gundolf, Siegfried
16 bis 20 (und 04-08) Marcus, Frauke, Heiko

Es folgten Tage mit Wind bis zu 40 Knoten, Flauten auch, hin und her und meistens von vorne. Jeden Tag wurde es kälter und nasser. (Qaqortog jetzt gerade wie ich das schreibe, 6⁰ und Regen).

Siegfried

Natürlich wie immer, wenn ein Gefährt über holprigen Grund stampft, geht etwas kaputt. Das ist dann mein Einsatz: erst lekte die Kühlleitung zur Schraubenwelle, dann lief Diesel in die Bilge, dass es im ganzen Schiff nur so stank (passte gut zur Seekrankheit 🤪), weil der Kraftstoff Filter leckte, als nächstes dann der Wassermacher, er spritzte aus einer gelockerten Hochdruckleitung eimerweise Seewasser ins Schiff. In der Bilge schwappte es dauernd. Im „Loch“ zu arbeiten, während die anderen an Deck der Gischt trotzen geht schon…man hat es zumindest schön warm.

Martin und Heiko beim Abwaschen

Hier probiert Erich das frisch gemachte Süßwasser aus dem reparierten Wassermacher

Im Maschinenraum
Nacht senkt sich auf dem Nordatlantik
Gundolf auf Wache
Heiko, Frauke, Marcus, Martin
Wetterbericht über Satellit
Marcus, Renate

Renate und Marcus brachten köstliches Essen auf den Tisch, egal bei welchem Wetter. Marcus hatte am 15. Tag der Reise Geburtstag, den wir mit Gesang, Kuchen und Schampus feierten. Unter fachkundiger Anleitung unseres Chorleiters Heiko, gelang das Ständchen gut und laut 🎶 .

Frauke

Frauke bereicherte den Speiseplan mit an Bord selbst gebackenen Brot und entwickelte sich an Deck zur respektablen Steuerfrau.

„Land in Sicht!“ Kap Farvel

Endlich kommt Grönland in Sicht, wir steuern genau auf das Kap Farvel, der Südspitze zu. Natürlich läßt es uns nicht ungeschoren heimlich an sich vorbei! Erst nach nächtlichen Einlegen des 3. Reffs und stundenlangem Beiliegen gibt es den Weg frei.

Jetzt sind die Wachen in der Nacht mit einer weiteren Person besetzt und es wird ständiger Ausguck mit dem „Steiner“ und auch mit Radar gehalten. Das 7×50 „Navigator“ wurde uns freundlicher Weise von der Bayreuther Firma Steiner zum Testen bereitgestellt. Es handelt sich um eine neue Ausführung der bekannten Reihe der Marinegläser und hat uns mit seiner Handlichkeit und Nachtsicht sehr gut gefallen. So wurde damit der erste Eisberg gesichtet.

Mit dem Handy durch das Fernglas, der erste Eisberg!
Radar
Ausguck

Grandiose Natur aus Fels, Eis und Wasser und hin und wieder ein ausblasender Waal lassen uns staunend zusehen.

Nachts vor Anker, es wird nicht dunkel.
Immer wieder Eisberge die vorsichtig umfahren werden

Qaqortog! Ziel dieser Etappe mit der Freydis. Leider müssen unsere Mitsegler unerwartet früh sofort von Bord, damit sie die letze Chance zum Heimflug bekommen, denn ab jetzt sind alle Flüge von und nach Grönland ausgesetzt! Icelandair fliegt nicht mehr und nun strandet die Folgecrew bereits in Reikjavik auf Island. Corona. Wie geht’s weiter?

Qaqortog

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