Ein paar Zahlen und beinahe Katastrophe

von Gundolf Oertwig am 02.08.2020 / in 2020 rund Kattegat, DK und Hiddensee
  • 56 Tage unterwegs
  • 935,7 Seemeilen durch Ostsee und Kattegatt.
  • 7 Übernachtungen am Anker, Boje oder Felsen. Mehrere Male Ankern zur Kaffeepause.
  • 23 extra Hafentage, davon 16 zwangsweise wegen zu starken Wind für mein kleines Boot.  Es war kein richtiger Sommer. Andererseits hat das Kattegatt nicht umsonst den Ruf, ein rauhes Revier zu sein.
  • 82,9 Seemeilen war die längste Tagesetappe, von Kærebaksminde nach Kloster auf Hiddensee.
  • 1 x durch eine Schleuse (und wieder zurück)
  • 11,1 kn war die höchste, sehr kurze Geschwindigkeit im stürmischen Surf eine 2,5 Meter Welle hinunter.
  • 8 Liter Spiritus verbraucht zum Kochen
  • 60 Liter Diesel

Pleiten, Pech und Pannen:

  • 3 x Segel nähen müssen, 2 x aufgerissene Nähte der Genua, 1 x eine aufgeplatzte Tasche einer Segellatte vom Großsegel
  • 2 x Starterbatterie leer, weil ich das Abschalten des Ladegerätes vergaß. Natürlich ist das dann immer erst zu merken, wenn mann JETZT GLEICH den Motor braucht. Nothilfe: unter Deck die Batterien schnell mit etwas das Strom leitet, brücken.
  • 2 x eine blockierte Schraube, einmal, als der Motor zum Heranfahren an die Küste gebraucht wurde. Grund: meine Vorleine war ins Wasser gefallen und in die Schraube geraten. Das andere Mal war Seegras in solchen Mengen in der Schraube, das nichts mehr ging. Natürlich beim Einfahren in einen Hafen.
  • Ein altes Fischernetz im Anker verfangen.
  • Undichte Stelle im Ankerkasten hatte bei viel Welle mein Bett nass gemacht, es war ein nicht gut abgedichteter Kabeldurchlass.
  • Der elektrische Pinnenpilot fiel wegen Undichtigkeit nach Regen aus. Nach Öffnen und Austrocknen und neu abdichten, funktionierte er wieder.
  • Einen Verkehrsverstoß begangen und erwischt worden. Das Verkehrstrennungsgebiet bei Helsingør nicht rechtwinklig gekreuzt und zusätzlich 13 Minuten in die verkehrte Richtung gefahren. Ergebnis: Polizeiboot an Land folgen, Polizeiauto einsteigen und zum Geldautomaten. 4500 DKK (also ca, 630€!!) Da meine Visakarte nur 2000 DKK aus dem Automaten holte, ließ man es dabei bewenden 265,-€…. Und ab…
  • Meine Kaffeekanne geschrottet, weil auf der Herdflamme vergessen. Die Neue (gekaufte) hat den selben Fehler aber überstanden.
  • Navigationslicht ausgefallen
  • Käppi im Wind weggeblasen
  • Mütze mitsamt meiner (nicht billigen) Brille bei einer Halse in der Nacht verloren (siehe letzter Punkt)
  • 3 x Patenthalsen hingelegt
  • Letzter Punkt, sehr bedenklich: obwohl wach und vermeintlich aufmerksam, ist mir bei hohen Wellen nachts um 1 Uhr ein ganzer Frachter nicht aufgefallen, bis er ca. 50 Meter vor meinem Bug durch die Nacht eilte. Er hat mich, glaube ich, auch nicht mal bemerkt, so ein kleines Boot macht in groben Seegang kein Radarecho. Technisch gesehen, hatte ich Vorfahrt…. Also Motor an und bei 5er Wind von achtern und hohen Wellen rum, in die ungeschützte Halse. Mit Dussel ist nichts passiert. Danach, noch voller Adrenalin zurück gehalst und dabei das Groß nicht genug dichtgeholt. Folge: kräftige Ohrfeige von der Großschot und Mütze mit Brille weg.
  • Allerletzt: ein paar gequetschte Finger und Schienbeine, nicht weiter der Rede wert.

Segelroute 2020

 

2 Kommentare

  • Diethelm Oertwig says:

    Ich glaube es war ein schönes Abendteuer mit etwas Lehrgeld, danach geht es beim nächsten Törn mit Erfahrung besser, weil die Seebeine ein Stück gewachsen sind. Die Blogs waren immer sehr interressant.
    Liebe Grüße Dein Bruder

  • Bernd says:

    Herzlich willkommen daheim. Ja, viele große Seefahrer hatten irgendwann einfach mehr Glück als andere, die dann nicht mehr von ihrer Fahrt erzählen konnten.

    Aber ohne eine große Portion Können reicht das Glück oft auch nicht mehr aus.